Vor dem zweiten Runden Tisch über die Situation an Berliner Kitas am Dienstag weist die Gewerkschaft Verdi mit einer Umfrage auf die Belastungen hin. Die Personalsituation lasse es nicht zu, Kinder zu bilden, sie zu erziehen und zu betreuen, habe eine Umfrage der Gewerkschaft unter Erzieherinnen und Erziehern und Eltern in Berliner Kita-Eigenbetrieben ergeben. Die Gewerkschaft Verdi sieht den pädagogischen Auftrag in den Kitas als nicht erfüllbar an.
Die Umfrage wurde zwischen dem 18. und 24. November 2024 unter Beschäftigten der Kita-Eigenbetriebe Berlins sowie Eltern gemacht, deren Kinder in diese Einrichtungen gehen. Die Online-Umfrage wurde 3.200 Mal ausgefüllt, etwa zwei Drittel der Antworten kamen von Beschäftigten und ein Drittel von Eltern. Insgesamt gibt es in Berlin rund 2.900 Kitas, die meisten werden von freien Trägern betrieben. Etwa 300 Kitas sind städtisch.
Viele Betreuer empfinden Alltag als stressig
Der Fachkraft-Kind-Schlüssel entspricht in keiner Kita den offiziellen gesetzlichen Vorgaben oder den fachlichen Empfehlungen, so das Ergebnis der Umfrage. Im Schnitt sei eine pädagogische Fachkraft für 10,7 Kinder verantwortlich, bei den Unter-Dreijährigen seien es knapp 8 Kinder und bei den Über-Dreijährigen fast 13. In Zeiten maximal Belastung seien es im Schnitt sogar 15,8 Kinder pro Fachkraft.
Laut dem Gesetz für Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und der Kindertagespflege (§ 11 KitaFöG) sollen auf eine Fachkraft maximal 9 Kinder zwischen 3 Jahren und dem Schuleintritt kommen, bei Unter-Dreijährigen soll es eine Fachkraft auf 3,75 Kinder sein, bei Dreijährigen eine Fachkraft auf 4,75 Kinder.
Verdi kritisiert, dass diese Angabe im Gegensatz zu anderen Bundesländern in Berlin keinen verbindlichen Betreuungsschlüssel darstellt. Die tatsächliche Fachkraft-Kind-Relation, die die Anwesenheit unter Berücksichtigung etwa von Urlaub- und Krankheitstagen darstellt, werde vom Senat nicht kontrolliert. Verdi fordert daher eine Erhebung über die tatsächliche Situation.
Die Erzieherinnen und Erzieher sehen ihren pädagogischen Auftrag auch nur zum kleinen Teil als erfüllt an: Nur 5,8 der befragten Fachkräfte gaben der Umfrage zufolge an, dem pädagogischen Auftrag des Bildens ausreichend nachzukommen. 10,2 Prozent sehen sich immerhin imstande, zu erziehen. 38,5 Prozent der befragten Fachkräfte sagten aus, die Kinder betreuen zu können, während 45,6 Prozent angaben, nichts davon leisten zu können. Den Ergebnissen zufolge sei pädagogische Arbeit kaum noch möglich, und «Aufbewahrung» sei zum Alltag geworden, so Verdi. 91 Prozent der Beschäftigten bewerteten ihren Arbeitsalltag als stressig.
Zum Zeitpunkt der Befragung waren 17 Prozent der Fachkräfte krank. Von diesen sahen 88 Prozent einen direkten Zusammenhang zwischen der Krankheit und der hohen Arbeitsbelastung.
Verdi sieht systemisches Problem
Mehr als die Hälfte der befragten Eltern gab dem Bericht zufolge an, dass es Einschränkungen bei Betreuungszeiten gebe, knapp ein Drittel berichtete von regelmäßigen Einschränkungen der Öffnungszeiten. Auch das Bildungsangebot werde häufig eingeschränkt, wie 46 Prozent der befragten Eltern berichtet. Drei Viertel der befragten Eltern gaben an, sich wegen der Kitasituation beruflich einschränken zu müssen.
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